Transidente im Kindes- und Jugendalter

Bereits im Kindergarten- und Grundschulalter ist in den meisten Fällen die transidente Veranlagung ersichtlich. Das Kind verhält sich auffallend gegengeschlechtlich.

Hält das gegengeschlechtliche Verhalten über längere Zeit an und werden stetig diesbezüglich Äußerungen getätigt, so ist ernsthaft über eine vorhandene Transidentität nachzudenken. Es ist dann wichtig, auf das Kind einzugehen. Sollte sich bis zum zehnten Lebensjahr noch nichts geändert haben, wird es Zeit, einen Kindertherapeuten aufzusuchen. Ab zwölf Jahre sollte ein Therapeut bevorzugt werden, der Erfahrung mit transidenten Kindern hat – leider sind diese noch recht selten. Außerdem sollte ein Endokrinologe zur Hormonbestimmung aufgesucht werden.

Sollte eine bestätigte Transidentität vorliegen, erhält der oder die Jugendliche Medikamente, welche die Pubertät stoppen, mit sechzehn Jahren dann die entsprechenden Hormone, um den Körperbau anzugleichen, welches in diesem Alter sehr authentisch gelingt. Mit Eintritt in die Volljährigkeit kann dann die lang ersehnte, geschlechtsangleichende Operation erfolgen. Alles, was man frühzeitig verhindern kann, muss später nicht mühsam und schmerzhaft entfernt oder rückgängig gemacht werden.

Das Wohl des Kindes hängt von dem Verständnis und der Unterstützung der Eltern ab.

Junge, erwachsene Menschen, welche das Glück hatten, obigen Weg mit Unterstützung der Eltern zu gehen, sind von jeder anderen Frau und jedem anderen Mann nicht zu unterscheiden.

In den meisten Fällen gestaltet sich der Weg aber sehr viel komplizierter, da viele Eltern nicht ausreichend informiert und aufmerksam sind, oder die Transidentität ihrer Kinder komplett ablehnen und versuchen, diese zu unterdrücken.

Die heutigen Jugendlichen wissen ganz genau, was los ist und sie erkennen auch, dass ihnen die Zeit wegläuft. Dementsprechend verzweifelt sind sie und es kommt nicht selten zum Verlust des Vertrauens zu den Eltern, Aufsässigkeit, Drogenmissbrauch, Selbstverletzung bis hin zum psychischen Zusammenbruch, Suizid. Auch eine übertriebene Darstellung der von den Eltern gewünschten Geschlechterrolle ist eine der häufigen Folgen. In diesen Fällen wird sich die angeborene Psyche irgendwann später im Erwachsenenalter auf jeden Fall durchsetzen.

Wir möchten jugendlichen Transidenten helfen, ihren Weg zu finden und zu gehen.

Wichtig ist es, die Eltern über die Empfindungen der Kinder aufzuklären und davon zu überzeugen, wie wichtig ihre Unterstützung ist.

Ebenso wichtig ist es, mit den Jugendlichen zu sprechen und zu versuchen, wieder eine Vertrauensbasis zu den Eltern aufzubauen. Dazu sind mehrere Gespräche, sowohl mit den Eltern, als auch mit den Jugendlichen und oft auch häusliche Besuche notwendig.

Eine unserer weiteren Aufgaben ist es, Psychologen zu benennen, welche die Jugendlichen professionell weiter begleiten.

Die Schulen müssen durch Gespräche und mit Hilfe von Infoveranstaltungen und Infomaterial sensibilisiert werden.

Die Jugendlichen brauchen einen jugendgerechten Treffpunkt, wie z.B. Sunrise. Einige Eltern treffen sich schon bei Lili Marlene Transidenten Lebenshilfe zum regelmäßigen Erfahrungsaustausch.

In jeder der Dortmunder Schulen sind sicher verzweifelte, transidente Kinder.

Die hier dargestellten Punkte beziehen sich auf die Erfahrung hunderter von Transidenten, ermittelt in den letzten drei Jahren.

 

Stand: 28. 10. 2015